Tag der Befreiung
In der DDR wurde der Tag der Befreiung vom Faschismus begangen. Ein ritualisierter sinnentleerter Feiertag, der ganz im Sinne der sowjetischen Ideologie, die rassistische Komponente des Faschismus in Deutschland ausblendete. Die "Freunde", wie man die rund 500.000 in der DDR stationierten Soldaten der Roten Armee nannte, zeigten sich und lang vorbereitete Treffen im Zeichen der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft fanden statt. Hinter diesem ideologischen Vorhang fand man nichts. Die verordnete Erinnerungskultur fand in der DDR keine Entsprechung in der persönlichen Erfahrung. Die Befreiung erlebte ein nicht geringer Teil durch die Westalliierten, die sich im Tausch gegen Sektoren Berlins auf das Gebiet der späteren Bundesrepublik zurückzogen. Dann kamen die sowjetischen Truppen.
Trotz dieser Betrachtung von beiden deutschen Seiten bin ich der Meinung, dass es der heutigen Bundesrepublik gut zu Gesicht stünde, von Befreiung zu sprechen. Befreiung von einem Regime, das verabscheuungswürdiger nicht hätte sein können. Befreiung von außen, weil die Kraft oder der Wille der deutschen Bevölkerung für ein Davonjagen nicht reichten. Befreiung, weil ohne diese Niederlage und das aufgestülpte westliche Demokratiemodell die heutige freie Gesellschaft so nicht möglich wäre. Und ich bin der Meinung, dass man das Kind beim Namen nennen sollte: Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Deutung dieses Tages sollte man nicht einfach Gruppierungen vom politischen Rand überlassen.
